Stadtschreiber Christianus Wierstraet

Stadtführer macht das Mittelalter lebendig
In der Rolle des Stadtschreibers Christianus Wierstraet ist der gebürtige Emsländer Helmut Wessels in Neuss bekannt - und beliebt.

 

Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick, wenn Helmut Wessels in seinem schwarzen Talar durch die Stadt geht.

Da drehen sich die Leute schon einmal um und Jugendliche rufen dem 39 Jahre alten Emsländer "Batman" hinter her.

Doch der "schwarze Mönch", der im Zivilberuf Florist ist, hat nichts mit jener Comic-Figur zu tun. Vielmehr ist Wessels Stadtführer, der in seinem Phantasie-Habit die ehemalige Klosterlandschaft von Neuss vorstellt.

 

Zwei Mal im Monat haben die Neusser und ihre Gäste Gelegenheit in die Welt des Mittelalters einzutauchen. Damals, prägten große Klöster und kleinere Konvente das Stadtbild.

Diesmal waren es neun Geschwister aus Büderich, die den Weg in die Quirinusstadt gefunden hatten, um sich in das klösterliche Leben entführen zu lassen. Direkt am Obertor befindet sich das Obertorkloster, welches bis vor kurzem noch in Betrieb war.

Hier hätten sich die Gäste über einen Blick in die kleine Kapelle gefreut, aber der Hausherr, die Pfarre St. Quirin, verweigert den Zutritt. Dafür weist Wessels im Obertor schmunzelnd auf die "stilechte" Lampe hin, die auf die frühen 80er Jahre des 20. Jahrhunderts geschätzt werden kann.

Im weiteren Verlauf berichtet der "kleine Mönch" über ein Frauenkloster auf der Oberstraße und das Franziskaner-Mönchskloster genau gegenüber.

Doch die Nähe der beiden Ordensgemeinschaften ist jedenfalls den Franziskanern nicht gut bekommen. Sie mussten nach einer Visitation abziehen, weil sie sich doch allzu sehr mit dem "Weibsvolk" eingelassen hatten. Wessels gelingt es immer wieder mit netten Anekdoten das Mittelalter lebendig werden zu lassen.

So, wenn er über den Brauch berichtet, dass sich vornehme Familien in vielen Klöstern nahe am Altar beisetzen ließen, um "bei der Auferstehung des Fleisches flott dabei zu sein."

Als Nachfolger der Franziskaner zogen die Jesuiten in den Konvent ein, auf dessen Grundmauern heute das Haus Rottels steht. Doch das Gemäuer war inzwischen so morsch, dass der erste Jesuit nächtens samt Bett über alle Etagen hinweg in den Keller einbrach.

Davon ließen sie sich aber nicht abhalten. Auf der Michaelstraße erfährt der aufmerksame Zuhörer, dass der letzte Rest eines weiteren Frauenklosters erst 1968 abgerissen wurde. Auf die Bemerkung einer Dame, dass heute ein solcher Frevel wohl nicht mehr möglich wäre, meint Wessels: "Das weiß ich nicht."

 

Passender Weise geht's dann zum Omnibusbahnhof, der am dichtesten besiedelte Klosterbezirk des Mittelalters. Immerhin stand dort auch der Konvent der Alexianer, dem einzigen Orden, der heute noch aus alter Zeit existiert.

 

Am Markt berichtet Wessels über mittelalterliche Foltermethoden, die in Neuss besonders engagiert angewendet worden seien. Dies verleitete eine Büdericherin zu dem im Landkreis wohl bekannten Spruch: "Et jid joode, schleite un Nüsser."

 

Ohne dies näher zu besprechen ging man zum leider sehr dreckigen Freihof weiter, wo das Zeughaus auf der Agenda stand. Auch dies eine ehemalige Klosterkirche, bei der die Aufhebung durch die Franzosen sehr drastisch war.

 

Während der Aussetzung des Allerheiligsten drangen die Franzosen in die Kirche ein und vertrieben Volk und Mönche. Dann machten sie einen Pferdestall daraus.

Die Führung endete an der ehrwürdigen Stifts-Kirche St. Quirin, wo Wessels an den alten Brauch erinnert, dass derjenige, der im Alter von 30 Jahren noch immer keinen Partner fürs Leben abbekommen hat, dem Stadtpatron auf der Kuppel die Füße polieren kann.

Jüngst hat dies der Küster vom Münster gemacht und gesagt: "Ich gehe jetzt bald in Pension und habe immer noch keine Frau. Vielleicht hilft es ja!"


Quelle: NGZ

 

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