Private Geisterbahn im Keller

Der Mann mit der privaten Geisterbahn im Keller

Hans-Michael Derenbach hat in seinem Keller in Neuss etwas sehr Besonderes: Er hat eine Geisterbahn. Es wohl ist die einzige private Geisterbahn in Deutschland.

Sie ist klein, aber raffiniert.

 

Von Monika Salchert

 

 


 

Hans-Michael Derenbach hat in seinem Haus in Neuss seine eigenen Geisterbahn gebaut – und zwar in seinem Keller!

 

Eine ruhige Wohngegend in Neuss. Eine Frau führt ihren Hund aus. Sie grüßt freundlich. Der Dackel trägt ein rotes Geschirr, das ihn als "Katzenversteher" ausweist.

Das ist beruhigend. Hier leben Menschen und Tiere mit Humor.

Eigentlich wirkt alles ganz beschaulich.

Und doch birgt diese Straße ein schauriges Geheimnis. Hier soll seit Jahren ein Mann leben, der neben seiner bürgerlichen Existenz als Familienvater seiner Leidenschaft als Leute-Erschrecker nachgeht.

Er heißt Hans-Michael Derenbach, ist von Beruf Elektriker und besitzt Deutschlands kleinste und wohl auch einzige private Geisterbahn.

Gruselwillige Gäste bittet er in die Unterwelt seines Hauses. Über eine steile Treppe geht es in den Keller.

Jeder Schritt in die Tiefe wird von höhnischem Gelächter begleitet. Mindestens ein Geist scheint also im Dienst zu sein.

Dann kommt man in einen Raum, in dem es vor Skeletten nur so wimmelt, aber so richtig gruselig ist das alles nicht.

Auch der Hausherr sieht harmlos aus. Er trägt ein gestreiftes Hemd und eine Jeans, hat einen festen Händedruck, ein gewinnendes Lächeln und scheint ein durch und durch netter Kerl zu sein.

Seine Frau Birgit bietet Kaffee an.

 

Die Hand wandert an der Wand entlang
Zwei freundliche Menschen also, die sich ihren Partykeller mit allerlei drolligen Halloween-Sachen eingerichtet haben.

 

Es gibt etliche Gummiviecher, viele Spinnweben, ein Gehirn im Einmachglas.
Fast putzig ist es anzuschauen, wie die Fledermaus an der Decke ihre Runden dreht oder wie eine von einem unsichtbaren Nylonfaden geführte, abgehackte Hand (natürlich aus Plastik) an der Wand entlang gleitet.

Hier liegt eine Ratte mit gl
ühenden Augen herum, dort ein von innen beleuchteter Totenkopf.

Aufatmen, es ist alles nicht so schlimm. Da wird wohl auch eine Fahrt durch Derenbachs Geisterbahn nur einen Gruselfaktor auf Kinderlevel haben. Das ist der Moment, in dem Hans-Michael Derenbach zuschl
ägt.

Eher beil
äufig bietet er eine Fahrt mit der Geisterbahn an. Keine Frage.
Auf alle F
älle. Gern.

In der h
ölzernen Gondel ist nur Platz für eine Person. Auf Knopfdruck öffnen sich knarrend die beiden Flügel der silbernen Tür. Das Gefährt ruckelt an.

Das Kurzzeitgedächtnis funkt einen Hinweis.
Was stand über dem Eingang? "Fahrt ins Ungewisse". Das Lächeln über diese Botschaft in Leuchtschrift erfriert exakt in dem Moment, als es finster wird und gar schaurige Musik erklingt.

Skelette greifen nach Menschen

Die Gondel wird hin- und hergerissen, Monster mit blutigen Fratzen, Skelette, die seltsamerweise noch über so viel Lebenskraft verfügen, dass sie nach dem Menschlein in dem Holzwagen greifen können, schießen aus der Dunkelheit hervor.

Von der Decke l
ässt sich ein roter Teufel fallen, aus einem Grab schnellt ein abgetrennter Kopf hervor. Ein scheußlicher Zombie namens "Clemens" kommt bedrohlich nah.

Der Beinah-Herzstillstand ist erreicht, als sich der Boden der Gondel öffnet und eine Hand nach den Beinen des Fahrgasts stochert.

Nach einer Phase in völliger Dunkelheit naht das Ende der Fahrt.
Doch vor die Erlösung hat Hans-Michael Derenbach noch "Leon", den Werwolf mit blitzenden LED-Augen, gesetzt. Auch bei dem Kameraden ist klar: Der will nicht nur spielen.

Dann ist es endlich geschafft. Licht an. Musik aus. Die "Nacht der reitenden Leichen" ist vorbei.

Nichts ist mehr so wie vor der Fahrt. Jetzt sind die Sinne geschärft. Der Mann, der so etwas ausheckt, muss ebenso genial wie unberechenbar sein. In diesem Keller kann hinter jedem Plastikkäfer, hinter jedem Mauervorsprung ein Abgrund des Schreckens lauern.


Hat sich der Spiegel bewegt?

Wieso kommt die Spinne pl
ötzlich immer näher?

Und wo war noch der Ausgang?

Außergewöhnliche Geisterbahn

Er selbst nennt sich einen Tüftler mit verrückten Ideen. Doch das ist stark untertrieben. Denn die Effekte seiner Geisterbahn sind außergewöhnlich. Es zischt, knallt und holpert.

Da ist ein Keuchen,
Ächzen und Stöhnen. Nebel wabert, Blitze zucken, und Sirenen heulen. Der Elektriker hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. "Mich haben Geisterbahnen schon immer begeistert. Freunde haben mich vor Jahren auf die Idee gebracht, selbst eine zu bauen", sagt er.

 

Aus der Idee wurde Faszination. Derenbach stemmte zwei Wände im Kohlenkeller auf, baute einen Rundkurs mit einem 13,2 Meter langen Schienennetz und schuf in unzähligen Arbeitsstunden auf etwa 25 Quadratmetern eine einzigartige Gruselstrecke.

 

Der Neusser hat etwa 15.000 Euro in den Parcours gesteckt. Nur Materialkosten, die Arbeitszeit nicht mitgerechnet.

Vieles ist Handarbeit. So wie die Gondel. Die wird von einem Scheibenwischermotor aus dem Auto angetrieben und hat eine Kettenübersetzung. Sie fährt über eine Holzbahn mit Kupferbändern.

Der Transport funktioniert über einen Schleifkontakt, ähnlich dem Prinzip, das die Minisportwagen über die Carrerabahn flitzen lässt.


Sieben Minuten Fahrt durch die Hölle
So gleitet der Wagen ganz langsam über die Bahn. Etwa sieben Minuten dauert der Höllenritt. Zu Fuß wäre man schneller. Vorausgesetzt, man könnte dem Zugriff der Monster entrinnen.

Aber wahrscheinlich verlöre man in der Finsternis oder im Nebel ohnehin die Orientierung.

Diese Gruselwelt erweckt Hans-Michael Derenbach durch unzählige Schleif- und Druckkontakte und Relais zum Leben. An vielen Stellen setzt er kleine Motoren ein, wie sie in Modellautos zu finden sind.

Burschen wie "Clemens" oder "Leon" verdanken ihre Beweglichkeit einer Pneumatik-Steuerung. Etwa 500 Meter Kabel hat der Elektriker verlegt.

Die Anlage wird elektromechanisch gesteuert, nicht über den Computer. Und um seine Gäste in Nebel zu hüllen, lässt der Bastler Wasserdampf mit Ultraschall zerstäuben.

Selber kann er mittlerweile ohne Gänsehaut über die Bahn fahren.
Es sei denn, dass er vergessen hat, wenn er kurz zuvor einen neuen Geist in irgendeiner Ecke versteckt und unter Strom gesetzt hat.

Derenbach amüsiert sich ohnehin am meisten über die Reaktionen seiner Gäste. Denn die werden über eine winzige Videokamera mit Nachtsichtfunktion gefilmt, die auf einem Totenkopf im vorderen Teil der Gondel sitzt.

Exklusiver Zutritt
So werden die vor Schreck geweiteten Augen, das Bibbern und Schreien direkt über einen Beamer auf eine Leinwand im Tanzraum des Partykellers übertragen. Hinterher gibt es zur Belohnung und als Erinnerung an die Mutprobe eine CD mit diesen Aufnahmen.

Der Nachteil dieser Gruseltour: Nur Freunde und Bekannte der Familie können mitfahren. Mieten kann man die Bahn nicht.

Und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

Derenbach würde aber gern für Kunden Geisterbahnen nach Wunsch bauen. Das wäre zwar bestimmt nicht billig, aber wer hat schon Kellergeister mit Familienanschluss?

 

Quelle: Die Welt

Autorin: Monika Salchert

Mit freundlicher Genehmigung von Hans-Michael Derenbach!

 

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Die Keller-Geisterbahn ist ein teures Hobby

Seit 2007 hat er nicht nur viel Arbeit in die Umsetzung seiner Idee gesteckt, sondern auch einiges an Geld. Allein für Material hat er seit 2007 etwa 15.000 bis 20.000 Euro ausgegeben, schätzt der Elektriker.

Hinzu kämen unzählige Arbeitsstunden für Planung und Montage.

 

 

 

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