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Die Archäologie in Neuss

Ausgrabungen am Omnibusbahnhof

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Durch die Bombardierungen in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde das Altstadtviertel fast gänzlich zerstört und nach Kriegsende dem Erdboden gleich gemacht.

Seit dem Frühjahr 2002 wird auf dem Omnibusbahnhof gegraben; im Mai dieses Jahres wurde die Grabungsfläche erweitert. In den oberen Grabungsschichten wurden Zeugnisse aus dem letzten Krieg großflächig angetroffen.

So liegt parallel zur Hymgasse am Rand der Grabungsfläche ein langgestrecktes Bunkersystem, ein 22m langer Panzergraben mit beidseitigen Druckluftschleusen. Reste der Vorkriegsbebauung und Einbauten aus dem 19. Jahrhundert haben sich entlang der Brückstraße erhalten. Quer durch die Grabungsfläche geht ein gemauerter Kanal, der bislang noch Rätsel aufgibt, da er unter den Klosterbauten verläuft und seine Entstehungszeit noch ungewiss ist.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts hatten sich im Bereich der nördlichen Platzhälfte die Sepulchrinerinnen mit ihrem Klostergebäude angesiedelt. Der Orden widmete sich der Mädchenerziehung. Die Immunitätsmauer, die äußere Begrenzungsmauer des Klosters, verläuft quer durch die Grabung. Die Fundamente dieser Mauer wurden, wie bei Neusser Klosterbauten üblich, aus Sparsamkeit nur in Bogenform ausgeführt.

Innerhalb des Gartenareals konnte ein runder Kugelbackofen aus der Zeit um 1700 aufgedeckt werden. Seitlich des Ofens fand sich ein Backmodel aus Ton, das zur Herstellung von Hostien gedient hat.

Es zeigt eine Abendmahlszene. Entlang der Hymgasse sind die Fundamente des Konventsgebäudes der Sepulchrinerinnen aus der Zeit um 1800 erhalten. Innerhalb des Klosterareals lassen sich aber auch Reste von mittelalterlichen Vorgängerbauten feststellen. So lassen sich zwei Keller ausmachen, die ehemals an die Brückstrasse angrenzten.

Einer dieser Keller ist besonders interessant, da er nur aus römischem Abbruchmaterial, nämlich Tuffen, Kieseln und Tegulaziegeln gemauert wurde. Es könnte sich hierbei um ein spätantikes Mauerwerk handeln, dass im Mittelalter neu genutzt wurde.

Dieser recycelte Keller wurde nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1586 mit Bauschutt und Haushaltsgegenständen, darunter zahlreiche Renaissancekeramik und zwei kupferne Fingerhüte aus Nürnberg, verfüllt. Südlich der Immunitätsmauer schloss sich jenseits einer kleinen Gasse die mittelalterliche Profanbebauung an.

Auf dem Kupferstich von Braun und Hogenberg von 1586 sind hier kleine, maximal anderthalbgeschossige, giebelständige Häuser dargestellt. Bei den Grabungen wurde aber ein über neun Meter breiter Keller freigelegt. Er besteht aus dem typischen staufischen Mauerwerk aus wechselnden Lagen von Basalten und Tuffen und ist in das 13. Jahrhundert zu datieren.

Offensichtlich war das Areal an der Brückstrasse im 13. Jahrhundert eine 1a Lage. Damals floss der Rhein noch unmittelbar an Neuss vorbei. An der Landungsbrücke, namengebend für die Brückstrasse, konnten die ankommenden Boote mit den Handelsgütern gelöscht werden.

Erst im 14. Jahrhundert, als der Rhein sein Bett von Neuss weg verlagerte, begann der Niedergang des Viertels zwischen Brückstrasse und Hymgasse. So wurde der große staufische Keller mit zwei trennmauern in drei kleine Kammern unterteilt, die der obertägigen Aufgliederung des Gebäudes entsprochen haben dürfte.

 

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Der Omnibusbahnhof

 

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