Die Archäologie in Neuss

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Im Grabungsareal wurden zahlreiche mittelalterliche Öfen und Herdstellen angetroffen.
Der älteste Ofen, ein liegender Schmelzofen, stammt aus dem 9. Jahrhundert.
Drei Herdstellen aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert konnten freigelegt werden.

Neben der Herdstelle aus der Zeit kurz nach 1200 wurde ein zu 2/3 in den Boden eingelassenes Vorratsgefäss insitu angetroffen, das als "Kühlschrank" diente.

Siedlungsschichten des römischen Virus (Zivilsiedlung) lassen sich nur in der Mitte und in der nördlichen Hälfte des Grabungsareals ausmachen, wo in römischer Zeit eine hochwasserfreie Kuppe lag. Meist handelt es sich bei den Befunden um Fundamente aus Tuffmauerwerk, die in ihrer Orientierung von der heutigen Strassenachse abweichen.

Stellenweise lassen sich kleine Schmelzöfen beobachten. Die Masse der römischen Funde stammt aus dem 2./3. Jahrhundert, vereinzelte Funde aus dem 4. Jahrhundert. Aus dem 5. Jahrhundert kam bislang erst eine Scherbe zutage.

Offensichtlich fiel der Siedlungsplatz in der Völkerwanderungszeit wüst.

Über die Anfänge der mittelalterlichen Wiederbesiedlung geben weniger die Baubefunde, als die zahlreichen Keramikfunde Aufschluss. Über 60.000 Scherben wurden mittler weile inventarisiert. Dabei konnte für Neuss erstmals ein detailliertes Fundspektrum für die Zeit zwischen dem 8. und 12.Jahrhundert erarbeitet werden.

Nach Neuss gelangten im 8. und 9. Jahrhundert hart gebrannte Kugeltöpfe aus Walberberg und Mayen. Aus Duisburg stammt die dunkle Ruhrmündungsware des späten 9. und 10. Jahrhunderts. Die typischen Vorgebirgswaren Badorfer und Pingsdorfer Machart sind besonders vielseitig vertreten wie auch die sog. Hunneschanskeramik aus der Zeit um 900.

Die quantitative Auswertung zeigt uns die zaghaften Anfänge einer Wiederbesiedlung von Neuss in den beiden ersten Dritteln des 9. Jahrhunderts.

Darauf folgte im letzten Jahrzehnt des 9. Jahrhunderts und zu Beginn des 10. Jahrhunderts ein schneller Ausbau des Siedlungsplatzes Neuss. Die Gründe für diese Entwicklung sind überregionaler Natur und resultierten aus den fortgesetzten Normannenstürmen.

Die marktbeherrschenden, karolingischen Handelsemporien in den Mündungsgebieten von Rhein und Maas, aber auch die Städte im Rheinland waren seit den sechziger Jahren des 9. Jahrhunderts immer wieder von Wikingern überfallen worden.

Als sich die Lage nach 892 entlang des Rheins entspannte, im küstennahen Bereich aber weiter unruhig blieb, kam es zu einer Verlagerung der Handelsströme.

Neuss hat von dieser Entwicklung profitiert und wurde zu einem prosperierenden Handelsort ausgebaut. Davon zeugen seltene, gelb glasierte Keramikimporte aus dem maasländischen Huy. Von den ruhiger werdenden Zeiten berichten zahlreiche Funde, die zum Textilhandwerk gehören.

So konnten auf dem Grabungsareal zwei Dutzend Spinnwirtel, ein Webgewicht, ein Glättstein aus Glas und ein Knochenkamm zum Flachshecheln geborgen werden.

Unter den zahlreichen Münzfunden sind zwei Silbermünzen, ein Dinar des Antoninian (234 n. Chr.) und ein Denarius coloniensis des Kölner Erzbischofs Adolf I. von Altena (1183 1205) hervorzuheben.

 

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Der Siedlungsverlauf

 

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