Die Skulptur des Eierdiebes

Der Biss des "wilden Hans"


 

955, 70 Mark brauchte er, um sein Werk errichten zu können. Den kleinsten Posten von vier Mark machte dabei das Eisengerüst aus, aber allein 660 Mark kostete der Bronzeguss der Skulptur. Aus heutiger Sicht sind das fast zu vernachlässigende Kosten für eine nahezu lebensgroße Plastik auf einem öffentlichen Platz, aber 1934 war es viel Geld.

Und so war der Bildhauer Oswald Causin auf die Unterstützung der Neusser Bürger angewiesen - die auch recht tief in die Tasche griffen, 20, 50 oder auch 100 Mark spendeten. Letztlich hatte Causin so viel zusammen, dass an der Endsumme noch 58,41 Mark fehlten - wie in den Unterlagen, die Causin-Sohn Rolf sorgsam archiviert hat, nachzulesen ist.

Irgendwie müssen die aber noch dazugekommen sein, denn am 21. Juli 1934 konnte der Eierdieb auf seinen Steinsockel am Stadtgartenweiher gehievt werden.

So steht die Bronzeplastik nun seit mehr als 65 Jahren dort, wo Oswald Causin auch zu dieser Arbeit inspiriert wurde. Während eines Spaziergangs durch den Stadtgarten hatte er nämlich einen kleinen Jungen beobachtet, der aus dem Nest eines am Stadtweiher brütenden Schwanenpaares ein Ei stiebitzt hatte und damit weglief.

Der Schwan jedoch, den der Volksmund bezeichnenderweise "wilder Hans" nannte, bemerkte den Raub, verfolgte den Dieb - und biss ihn zornig in den Po. Causins Eierdieb ist fast so etwas wie ein heimliches Wahrzeichen der Stadt geworden.

Kaum einer Neusser Familie fehlt es dafür an bildllichen Beweisen, denn immer wieder war und ist die Skulptur ein beliebtes Fotomotiv beim Familienspaziergang und bei der Stadtbesichtigung mit Besuch von außerhalb. Dabei schwankt der Umgang mit der Plastik zwischen spielerisch-ehrfürchtig und liebevoll-respektlos.

Die ganze Vielfalt dieser privaten Momentaufnahmen für die Ewigkeit wird das Clemens-Sels-Museum im Rahmen einer Ausstellung über Oswald Causin (ab 14. Februar) zeigen.

Dem Aufruf an die Neusser, Fotos mit dem Eierdieb dem Haus als Leihgabe für die Dauer der Schau zu überlassen, sind schon etliche Menschen gefolgt. Die nur kleine Auswahl an dieser Stelle zeigt, dass der Eierdieb zu allen Zeiten, in allen Situationen präsent ist.

Dass es vor allem Kinder sind, die auf ihm herumturnen, hätte den Künstler gefreut.

Denn zeit seines Lebens hat Causin Kinderköpfe modelliert. Sie, die noch nicht vom Leben gezeichnet waren, sondern ihm offen entgegen schauten, waren ein bevorzugtes Modell für den gebürtigen Düsseldorfer. Aber wohl nicht immer ganz einfach zu motivieren. Stundenlanges Stillsitzen ist nichts für Zwölf- und schon gar nicht für Vierjährige.

Doch Causin wusste sich zu helfen: Er erzählte den Kindern so spannende Urwaldgeschichten, dass sie häufig die Fortsetzungen bis zur nächsten Sitzung gar nicht abwarten konnten. Was er da genau machte, interessierte sie wohl weniger: Rolf Causin, der für den Katalog der Ausstellung die Lebensgeschichte seines Vaters niedergeschrieben hat, bekam bei seinen Recherchen auch zu hören, dass Kinder den Künstler schlicht das "Knetemännchen" nannten.

Von Helga Bittner

Quelle: NGZ

 

Rettungsaktion Eierdieb!

 

Junge Neusser, die auf der Facebook Seite des Stadt Kurier über die Beschmierungen am Eier Dieb gelesen hatten und sich daraufhin spontan organisierten, um ihn wieder zu säubern.

Was für eine tolle Aktion.

Quelle: Herbert Haas

 

Causins "Eierdieb" ist längst Neusser Kult, hier noch weitere Infos zum Künstler!

 

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