Haus Jordans

Woher hat das Haus Jordans seinen Namen?

Die schmutzig-grünen Fensterläden sind verschlossen und geben dem alten Haus einen abweisenden Charakter. In dem erzbischöflichen Mädchengymnasium gegenüber regt sich bereits das früh morgendliche Treiben, doch das historische Gemäuer stört sich nicht daran.

 

Der Putz bröckelt von der Fassade und der arglose Passant könnte meinen, das Haus stehe kurz vor dem Abriss. Doch weit gefehlt. Auch wenn seine Tür stets verschlossen bleibt, so dient das im 18. Jahrhundert errichtete „Haus Jordans“ noch als Gaststätte.

Allerdings liegt ihr Eingang im hinteren Bereich und ist von der Straße aus nicht zu sehen.

 

Jungs und Mädchen im “Jordans”
Früher war alles besser, oder doch wenigstens anders. Früher, da trafen sich die Jungs vom Quirinus-Gymnasium mit den Mädels vom „Marienberg“ genau dort: im „Jordans“. Beide Schulen nahmen noch keine Vertreter des jeweils anderen Geschlechts auf.

So entwickelte sich das Haus an der Rheinstraße zum Treffpunkt der Neusser Jugendlichen – auch von anderen Schulen. So manches Genussmittel wurde im „Jordans“ erstmalig genossen.

Für viele wurde die dunkle Kneipe zum zweiten Zuhause, einige haben hier sogar den Grundstein für eine „Ehrenrunde“ gelegt.

 

Benannt nach einem jugendlichen Bürgermeister
Warum das „Jordans“ eigentlich „Jordans“ heißt, haben sich vermutlich nur wenige seiner jugendlichen Besucher gefragt. Ob viele die später angebrachte Erinnerungstafel zur Kenntnis genommen haben, lässt sich schwerlich sagen, zumal, wenn man bedenkt, in welchem Zustand so mancher das gastliche Haus wieder verlassen haben mag.

Sollte dennoch einer der Jugendlichen einen scheuen Blick auf jene goldgelbe Tafel geworfen haben, so hätte er erfahren, dass das Haus nach einem Neusser Bürgermeister benannt ist.

 

Jordans: ein Revolutionär
Jener Franz Anton Josef Jordans (1776 bis 1851) war nur unwesentlich älter als viele der genannten Schüler, als er Anfang Januar 1801 zum Bürgermeister ernannt worden war.

Damals war er gerade einmal 24 Jahre alt. Jordans war von den Idealen der französischen Revolution beseelt und ein begeisterter Anhänger der neuen Herren im Rheinland.

Denn wenige Jahre zuvor waren die französischen Revolutionstruppen in Neuss einmarschiert.

 

Spross einer alten Neusser Familie
Als in Paris 1789 die Revolution ausgebrochen war, studierte Jordans, der Spross einer alten Neusser Patrizierfamilie, die bereits 1554 in die Stadt gekommen war, in Göttingen.

Er feierte die neue Zeit.

Wenn rund 200 Jahre später so mancher Gymnasiast mit Idealen im Bauch und Flausen im Hirn im „Jordans“ wenigstens für Neuss eine kleine Revolution plante, dann stand er immerhin in einer alten Neusser Tradition, selbst wenn ihm das nicht bewusst gewesen sein sollte.

 

Jordans ging mit Napoleon unter
Jordans blieb bis 1804 Bürgermeister seiner Vaterstadt und wechselte dann als Unterpräfekt nach Krefeld. Napoleon erhob ihn in den Adelsstand.

Doch anstatt seine Karriere weiter zu verfolgen, ging er mit seinem Kaiser nach Waterloo und erlebte dort auch seine ganz persönliche Niederlage.

Das von ihm vermutlich erbaute Haus - Franz Jordans war seinerzeit der reichste Bürger in Neuss - blieb jedoch stehen.

Nach dem Krieg betrieb dort der Metzger Otto Pröve eine Fleischerei.

 

Historisches Relikt im Umfeld gräuslicher Moderne
Im Zuge der Stadterneuerung blieb das Haus Jordans als einziges historisches Haus in der Umgebung des Meererhofes erhalten.

Es wurde vollständig entkernt und die inzwischen heruntergekommene Fassade gerettet.

Doch, wie man hört, plant der jetzige Eigentümer alsbald eine umfassende Renovierung des Hauses, in dem heute keine Revolutionen mehr geplant werden, sondern nur noch Nudeln verspeist werden.

 

Familie Jordans
Der Vater von Franz Jordans, Heinrich Hermann Jordans, war Herr auf Broicherhof, Nobisrath und Gelind. Er war ebenso wie sein Sohn Bürgermeister von Neuss, noch in kurkölnischer Zeit. In der Familie, die 1554 von Linn in die Quirinusstadt kam, gab es zahlreiche Ratsherren und Schöffen.


Quelle: Carsten Greiwe - NGZ 2005

 

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