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Der Markt

Der Marktplatz

Der städtische Marktplatz des Mittelalters war durch einige hervorragende Bauten aufgelockert: die gotische Liebfrauenkirche, die Stadtwaage des 14. Jahrhunderts mit ihrem Treppengiebel und das zinnengeschmückte Kaufhaus des 15. Jahrhunderts, das 1551 durch einen Neubau ersetzt wurde. AB der Nordseite des Marktes lagen ferner das Stockhaus und die Münze, an seiner Südseite die Fleischhalle und das Lohhaus und am Ende des Fischmarktes das alte Schlachthaus.

Nach dem großen Stadtbrand von 1586, der drei Viertel der Stadt zerstörte, erhielt auch der Markt ein neues Aussehen.

Zwar hatte das Rathaus mit der daneben liegenden Stadtschreiberei an der Ecke Markt / Krämerstraße den Brand ohne ernsthaften Schaden überstanden, dennoch errichtete man 1635/38 am Kopfende des Marktes einen Neubau, da man schon seit vielen Jahrzehnten über die Enge des alten Rathauses geklagt hatte.

Dieses neue Rathaus wurde 1789/94 in klassizistischer Weise umgebaut. Die Barockfigur der Gottesmutter, die ursprünglich über dem Portal gestanden hatte, erhielt dabei einen neuen Platz in der offenen Laterne des Türmchens auf der Mitte des Dachfirstes. So blieb das Rathaus erhalten, bis es 1944 durch einen Bombentreffer vollständig zerstört wurde.

Ein Zeitgenosse des alten Rathauses ist der einschiffige Backsteinbau der Kirche, die die Observanten 1638/41 auf dem Stuppenberg erbauten, nachdem dieser Teil des Bücheis ein wenig angetragen worden war. Die Mönche durften für den Bau die Steine der zerstörten Liebfrauenkirche verwenden. Außerdem überließ ihnen der Magistrat ein Joch der gesprengten römischen Steinbrücke an der ehemaligen Legionsfestung.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 übernahmen die Observanten das Gymnasium, das sie in ihren Räumen bis 1802 beherbergten. Nach der Säkularisation kamen Schule und Kirche in städtischen Besitz. Die Kirche diente in preußischer Zeit seit 1826 als Zeughaus und später als Getreidespeicher.

Erst die geglückten Renovierungsarbeiten nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ließen die ehemalige Observantenkirche, an der der Name „Zeughaus" haften geblieben ist, zum besonderen Blickfang des Marktes und zur „guten Stube" der Stadt werden.

Anstelle des Kaufhauses, in dem meist Woll- und Leinentuchmärkte abgehalten wurden, wurde 1912 ein Museum errichtet, das ebenfalls ein Opfer der Bomben des Zweiten Weltkrieges wurde.

Bei der Betrachtung des Marktes fällt noch eine merkwürdige Linienführung auf. Denn die Nordwestecke schließt nicht an die allgemeine Fluchtlinie an, sondern liegt zurück. An dieser Stelle hatten nämlich die Neusser als Dank für die Verleihung der kaiserlichen Privilegien von 1475 ein ehernes Standbild Kaiser Friedrichs III. auf einem Steinpfeiler errichtet. Es stand dort, bis es einen Tag nach der Besetzung der Stadt durch das französische Revolutionsheer unter General Bernadotte am 6. Oktober 1794 niedergerissen und durch einen Freiheitsbaum ersetzt wurde.

 

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