Das Zolltorviertel

Der Durchbruch am Zolltor

Nachdem das linke Rheinufer 1815 zu Preußen gekommen war, musste die Neusser Stadtverwaltung sofort die erhaltenswerten Baudenkmäler angeben. Aber der große Ausverkauf des Jahres 1802 hatte tabula rasa gemacht. Die kurze Liste enthielt nur das Münster und das als „Drusustor" bezeichnete Obertor, erwähnte jedoch noch das Zolltor, dem man allerdings künstlerischen und altertümlichen Wert absprach. Damit war bereits das Urteil gefällt, bevor 1820 der Antrag gestellt wurde, das Tor niederzulegen.

Sieben Jahre später begann der Abbruch des Zolltores, mit dessen Steinen z. T. die Straßen gepflastert wurden. Benannt war es nach den Straßen, die dort aus den Zollstätten der Ämter Hülchrath und Liedberg einliefen. Es war 1577 errichtet worden, nachdem ein früherer Bau im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts plötzlich eingestürzt war. Ein aufstrebendes Walmdach deckte das wuchtige Viereck der gleichmäßig hohen Mauern. Zwei Torbogen überspannten die durchlaufende Straße, die an der Außenseite durch zwei Zwiebeltürme flankiert wurde.

Wie alle Stadttore hatte auch das Zolltor eine vorgeschobene Hamei. Alles, was von ihm noch erhalten ist, ist seine frühere Inschrift, aus dem Lateinischen übersetzt: Glücklich die Bürgerschaft, die in Friedenszeit mit einem Krieg rechnet. gelände des Hamtores wurden die Gefallenen des Burgundischen Belagerungsheeres und der hessischen Besatzung begraben. Diese Totenstätte, über der sich heute die Christuskirche erhebt, wurde Junkernfriedhof genannt und 1810 von der Stadt offiziell als evangelischer Friedhof eingerichtet.

Einige Grabsteine, wie der der am 12. März 1650 verstorbenen Agnes von Schleiden, Gattin des hessischen Kommandanten de Cluyt, wurden an der hinteren Mauer aufgestellt, wo sie auch heute noch stehen. Die geringe Bedeutung des Hamtores rührt daher, dass es an keiner wichtigen Fernstraße lag, sondern nur auf schmalem Weg nach Büttgen und Glehn führte und somit die Kette der Bauernhöfe des westlichen Burgbannes mit der Stadt verband. Gleichzeitig diente es den Neusser Ackerbürgern als bequeme Ausfahrt zu ihren Feldern vor der Stadtmauer.

Über die Bedeutung des Wortes „Hamtor" gibt es verschiedene Ansichten. Eine meint, das Wort Ham bedeute als Flurnamen ein gerundet vorspringendes Landstück oder den äußeren Bogen einer Krümmung. Ähnlich der Ortschaft Hamm am Rhein oder dem „Hämchen" eines Schweines oder einem Pferdekummet, das auch Ham genannt werde, bezeichne das Hamtor die Stelle, wo sich der Mauerring gleich einem Bauch am weitesten vorwölbe.

Andere neigen zu der Erklärung, die auf den in den alten Urkunden ausschließlich verwendeten Namen „Hantpforte" zurückgreift und ihn im Hinblick auf den nach Büttgen führenden Weg auf die „Hontschaft Büttgen" bezieht, wo im Südosten auch heute noch der Name Hongert, Hungert, Huneder Heide fortlebt.

 

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