Das Neusser Obertor

Erbaut um 1200

Eines der mächtigsten Stadttore im Rheinland.



Wissenswertes über das Neusser Obertor

Von den alten Torburgen ist nur noch das Obertor am Südende der Stadt erhalten, allerdings ohne das doppelte Vorwerk und in seiner Wirkung durch den rücksichtslos angelehnten Fabrikbau geschädigt. Das Tor (Grundrisse Fig. 47) besteht aus einem viereckigen Mittelbau mit zwei kräftigen Rundtürmen auf der Außenseite. Die Türme erheben sich über einem Sockel mit einfachem romanischen Gesims (in der Profilierung entsprechend dem Gesims am Wasserturm), jetzt fast im Boden liegend, ursprünglich gegen den Graben vorspringend.

Das Material ist wechselnd Basalt (im ganzen 35 Schichten) mit zwei oder drei Reihen von Tuffziegeln, dazwischen größere horizontale Bänder von größeren Tuffsteinen, in der Höhe Tuff ohne Basalt. Vereinzelt finden sich römische Ziegelbrocken.

In der Höhe ist um die Türme auf Kragsteinen ein aus Tuff gemauerter leichter Spitzbogenfries gezogen. Der Mittelbau trägt oben vier reichere Kragsteine, über denen ganz in Haustein ausgeführt fünf mit Nasen besetzte Spitzbögen sich wölben die hinter ihnen befindlichen Gusslöcher sind jetzt mit Holz zugedeckt. Der äußere leicht zugespitzte Torbogen zeigt eine reiche Profilierung und eine Rinne für das Fallgitter (Reste sind darin erhalten). Darüber eine Blende mit einer derben Statuette der Madonna aus dem 15. Jh.

Die Durchfahrt ist durch einen breiten Gurt in zwei Teile zerlegt, zur Seite hohe spitzbogige Blenden; die eine Blende auf der Westseite ist für die Anlage des (neuen) Treppenaufganges benutzt. In dem äußeren Joch ein Kreuzgewölbe mit scharfprofilierten Rippen und Schildbögen, mit Blattkonsolen und Blattschlufssteinen, in dem inneren Joch ein Tonnengewölbe.

Auf der Innenseite des Tores öffnet sich die Durchfahrt mit einem in Trachyt hergestellten Rundbogen, über dem sich ein zweiter Rundbogen wölbt. Darüber öffnete sich ursprünglich ein großer halbrunder Bogen wie an den Halbtürmen, jetzt in Backstein vermauert. Das nach der Stadt zu vorspringende Treppentürmchen ist mit einem geschweiften Dach abgeschlossen. Die Raumeinteilung des Inneren ist aus dem Grundriss Fig. 47 zu ersehen.

Die (für den Umbau zum städtischen Leihhaus im Inneren mit Quermauern versehenen) oberen Räume bergen jetzt die Sammlung des Altertumsvereins.




Das Tor, das noch der Anlage Konrads von Hochstaden entstammt, trug ursprünglich über dem Spitzbogenfries einen hohen, wohl sicher mit Zinnen gekrönten Aufsatz, über dem die Dächer sehr viel steiler sich erhoben. Nur die langen doppelteiligen Fenster mit Hausteinpfosten sind alt; die großen viereckigen Öffnungen sind später eingesetzt. Neben den Aachener und Kölner Torburgen ist das Neusser Obertor heute die stattlichste und architektonisch bedeutendste frühe Torbefestigung der Rheinprovinz.

Von den übrigen älteren Toren, dem Zolltor, dem Hammtor, dem Niedertor, dem Rheintor, ist kein aufgehendes Mauerwerk mehr erhalten. Ihre Gestalt ist aus den alten Abbildungen, ersichtlich. Das Niedertor (äußeres und inneres Tor) ist noch in einer Skizze vom J. 1844 im Besitz des Herrn Hubert Hoffmann in Neuss erhalten.




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