Der Nordkanal


Nordkanal Neuss

Bereits im 17. Jahrhundert gab es erste Bemühungen, den Rhein und die Maas mit einem schiffbaren Wasserweg zu verbinden. Die Fossa Eugeniana ist ein 1626 begonnener, jedoch ebenfalls nie fertig gestellter Kanal zwischen Rheinberg und Venlo.

Nach der Eroberung der Rheingebiete griff Napoleon die Idee dieser Verbindung wieder auf, um mit dem Nordkanal verschiedene militärische und wirtschaftliche Zwecken verfolgen zu können.

Schon 1804 war er an den Niederrhein gereist, um sich unter anderem vor Ort über einen geographisch günstigen Trassenverlauf für den Kanalbau zu informieren.

Die Detailplanungen begannen im Jahre 1806 und sahen in einem weiteren Schritt die Verlängerung des Kanals bis nach Antwerpen vor.



Gründe

Napoleon konnte England nicht mit militärischen Mitteln bezwingen, weshalb er die Kontinentalsperre verhängte, um die englische Wirtschaft zu schwächen.

Die Niederlande jedoch ignorierten dies, um ihrer eigenen Wirtschaft nicht zu schaden. Da der Schiffsverkehr auf Rhein und Maas aber über die niederländischen Seehäfen führte, suchte Napoléon eine Möglichkeit, dies zu ändern, um die Niederlande zu umgehen.

Eine direkte Verbindung vom Rhein, über Maas und Schelde bis hin zu einem französischen Seehafen war die Lösung.

Auf diese Weise konnten auch die hohen Flusszölle rheinabwärts umgangen werden. Als Seehafen bot sich Antwerpen an, der zu dieser Zeit unter französischer Kontrolle stand. Für die erste Verbindung zwischen Rhein und Maas wurde der Bau des „Grand Canal du Nord“ befohlen.



Technik

Eine der nicht fertig gestellten Schleusen des Nordkanals bei Louisenburg Ursprünglich war eine Streckenführung weiter nördlich, ab Duisburg geplant.

Da es jedoch an der Erftmündung bereits einen Naturhafen gab und so keine Grundeigentümer entschädigt werden mussten, und die Neusser Geschäftsleute einen Bittbrief an Napoléon geschickt hatten, sie versprachen sich wirtschaftlichen Aufschwung durch den Kanal wurde die Strecke von Grimlinghausen (heute ein Stadtteil von Neuss) über Neuss, Holzbüttgen, Schiefbahn, Neersen, Broich, Süchteln, Grefrath, Krickenbeck, Herongen, Straelen bis nach Venlo gelegt.

Die Kanaltiefe sollte etwa 2,60 m betragen, die Breite ca. 16 m. Lastkähne beladen mit Gütern von 200 bis 400 Tonnen sollten auf dem 6 m breiten und 1,40 m hohen Damm von Pferden getreidelt werden.

Des Weiteren waren Häfen bei Grimlinghausen, Süchteln und Venlo sowie insgesamt neun Schleusen zur Überwindung der Höhenunterschiede geplant, darunter auch Schutzschleusen gegen Hochwasser an Rhein oder Maas.

Die geplante Länge lag bei etwa 53 km und die Scheitelhöhe soll rund 42 m betragen haben. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahre 1813 war die Bewegung von 3,25 Millionen m⊃3;; Erdmassen vorgesehen.

Veranschlagt wurden Kosten in Höhe von 20 Millionen Franc, die zur Hälfte von den am Kanal liegenden Departements über einen Zeitraum von zehn Jahren aufzubringen waren und zur Hälfte aus dem französischen Staatsetat fließen sollten.



Der Bau

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Ein zugewachsener Abschnitt des Nordkanals bei Kaarst mit der Planung wurde Napoleons Chefingenieur, Aimable Hageau beauftragt, der im Frühjahr 1808 mit der Vermessung beginnen konnte. Am 3. Juli 1809 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau in Neuss, und im Anschluss wurde über ein Jahr lang hart am Kanal gearbeitet.

Am 9. Juli 1810 wurde Holland mit Frankreich vereinigt, nachdem Napoleon seinen Bruder Ludwig als König der Niederlande zur Abdankung gezwungen hatte. Durch dieses Ereignis hatte Napoleon jetzt direkte Kontrolle über die holländischen Seehäfen. Das Projekt „Grand Canal du Nord“ wurde nicht mehr benötigt.

Die Bauarbeiten wurden zum 1. Januar 1811 eingestellt, als bereits ein Drittel der Kanalstrecke fertig gestellt und 12,5 Millionen Franc verausgabt waren. Stattdessen wurde ein Canal Baltique von der Seine bis zur Ostsee geplant, die Umsetzung aber durch den Russlandfeldzug zunichte gemacht.



Danach

Nach Beendigung der französischen Besetzung und Übernahme der Verwaltung durch Preußen, wurde der fertige Kanalabschnitt Neuss-Neersen schiffbar gemacht. Ab 1823 wurde Kohle auf ihm befördert und in den 1840ern auch Personen. Die Initiative dazu geht auf den Düsseldorfer Unternehmer Johann Wilhelm Thomas zurück.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn schlief das Interesse der Behörden am Nordkanal ein, die Schifffahrt verebbte und im Oktober 1850 fuhr das letzte Schiff auf dem Nordkanal.


Der Radweg bei Viersen

Der Nordkanal verkam zu einem Abwasserlauf und diente der Entwässerung der angrenzenden Bruchgebiete. Erst in jüngster Zeit wurde durch einen Vertrag mit Rheinbraun über den Jüchener Bach zusätzliches Wasser zugeführt und die Fließgeschwindigkeit erhöht, damit die zuvor abgelagerten Schadstoffe ausgeschwemmt werden können.

Zur Euroga 2002 wurde der Nordkanal als verbindendes Element wiederentdeckt und entlang des geplanten oder noch vorhandenen Kanallaufs ein Radweg (die „Fietsallee am Nordkanal“) ausgewiesen, fehlende Abschnitte auch neu angelegt.
Auf befestigten Strecken findet sich zur Kennzeichnung eine grün-blaue Linie mit regelmäßigen Querstrichen im Abstand von 10 Metern und mit vergrößerten 50-Meter-Markierungen, die das Wasser des Kanals repräsentieren sollen.

Bei den für Anstriche ungeeigneten Untergründen wurden gleichfarbige Stelen in 10-Meter-Abständen aufgestellt, auch hier mit breiteren 50-Meter-Stelen.

So gewinnt man den Eindruck eines überdimensionalen Maßbandes, das sich durch die Landschaft schlängelt.

Außerdem finden sich entlang des Kanallaufs an besonderen Stellen rot-weiß geringelte, spindelförmige Stelen, die als Hinweis auf die Ingenieurleistungen an Vermessungsstäbe erinnern sollen.

Besonders hervorzuheben ist die Schwebefähre bei Kilometer 19,3. Hier können Menschen und Fahrräder mit Muskelkraft über die Niers, die der Nordkanal an dieser Stelle gekreuzt hätte, übergesetzt werden.


Karte mit dem Verlauf des Nordkanals



Quelle: WIKEPEDIA mehr ...


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