Tutorbericht

Tutorenbericht

Die Gruppe hat sich erst recht spät in ihrer endgültigen Zusammensetzung gefunden. Insgesamt war es für mich als Tutor das erste Mal, dass ich mit Oberstufenschülern im Geschichtswettbewerb zusammenarbeiten konnte.

Bereits nach kurzer Findungsphase war das Thema gewählt, die Straßen des in den dreißiger Jahren errichteten Stadtteils Reuschenberg wurden im Dritten Reich ausnahmslos nach „Helden“ der nationalsozialistischen Bewegung benannt. Es bot sich also entsprechend der Fähigkeiten von Schülern der Sekundarstufe II ein komplexeres Herangehen an dieses bizarre Phänomen an.

So zielte die doppelte Fragestellung auf eine Auswertung der Benennung, also der Frage, inwieweit diese Straßenbenennung und die Gründung Reuschenberg von nationalsozialistischer Propaganda ausgewertet wurden, und auf die Problematisierung der Frage nach dem tatsächlichen Heldenstatus der in den Straßennamen verewigten Personen.

Nach furiosem Start zeigte sich, dass die Anforderungen des Zentralabiturs doch ihre Opfer verlangten, häufig waren die Terminpläne der Schülerinnen und Schüler mit Klausur- und Referatsterminen überfüllt, ein Treffen musste immer lange im Voraus abgesprochen werden. Auch waren alle Gruppenmitglieder auch sonst vielfältig eingebunden, beispielsweise in politische Nachwuchsorganisationen oder die Doppelqualifikation parallel zum Abitur zum chemisch-technischen Assistenten.

Gerade zum Ende ließen die Kräfte verständlicherweise bei den Schülerinnen und Schülern in der Jahrgangsstufe 13 merklich nach, fiel doch der Termin unserer Endredaktion in die Zeit der Vorabiturklausuren.

So bleibt das Endresultat der Arbeit doch als Tribut an das Abitur unter seinen Möglichkeiten etwas zurück.

Dennoch war die Gruppe immer motiviert, besuchte das Archiv wann immer möglich und führte Zeitzeugengespräche. Die Fragestellung war der Gruppe ein echtes Anliegen und die Bearbeitung und Forschung zu dem Thema erwies sich durchgängig als faszinierend. So bemerkte einer der Teilnehmer bei einer Flugblattaktion in Reuschenberg, die uns weitere Zeitzeugen einbringen sollte:

„Alle Straßen haben heute Blumennamen, das klingt so unschuldig, kein Mensch würde glauben, dass hier mal alle Straßen nach Nazis benannt waren!“

Treffender kann man die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kaum formulieren.

Michael Schmitt


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