Die Geschichte unserer Stadt

Römische Eroberung und Besiedlung des Niederrheins

Nach der Eroberung Galliens im 2. und 1. Jahrhunderts vor Beginn unserer Zeitrechnung setzte unmittelbar ein Prozess der Eingliederung der neuen Gebiete in die hochorganisierten staatlichen, wirtschaftlichen und teilweise auch gesellschaftlichen Strukturen des Römischen Reiches ein. Dazu gehörten auch umfangreiche militärische Maßnahmen zur Sicherung und weiteren Ausdehnung der Grenzen des römischen Herrschaftsgebietes.

In den Jahren bis ca. 50 v. Chr. hatte Caesar auch das nordöstliche Gallien bis zum Rhein unterworfen und die dort ansässigen germanischen Volksstämme zum Teil völlig vernichtet.

Bis in die Zeit des Kaisers Augustus (erster römischer Kaiser von 27 v. bis 14 n. Chr.) blieb dieses Gebiet in erster Linie militärisches Aufmarschgebiet, in dem die Römer für ihre Truppen Legionslager anlegten. Am Rhein waren das auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens, Xanten, Neuss, Köln und Bonn. Für Hilfstruppen germanischer oder andere Volksstämme wurden zusätzlich in Kalkar, Arnsberg, Gellep und Dormagen Feldlager errichtet.

Zuerst dienten die Lager der Sicherung der wichtigsten militärischen Basis in Xanten, von der aus die Römer leichter und begünstigt durch die weit nach Osten reichenden Lippe ihre Eroberungszüge planten.

In Neuss, damals Novaesium, wurde etwa um das Jahr 16 v. Chr. am Zusammenfluß von Erft und Rhein ein erstes Lager errichtet, das zuerst mit Erdwällen und Holzbefestigungen versehen wurde. Später folgen an dieser Stelle bzw. etwas südlicher weitere Lagerbauten, die zum Teil aber nur in den Sommermonaten als Truppenstützpunkt dienten.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden verschiedene feste Bauten mit Kommandantur, Waffenwerkstätten, Stallungen, Marktplatz, Gerichtsstätte, Lazarett, Baderäumen, Unterhaltungseinrichtungen und Tempeln.

Um das Lager herum entstanden zahlreiche zivile Bauten, Höfe und Wirtschaftsbetriebe, eine zivile Vorstadt. Im ersten Lager fand anfangs etwa eine halbe Legion Platz. Zu dieser Zeit umfasste eine Legion 6100 Fußsoldaten, 726 Reiter und ca. 60 spezielle Waffentechniker für Schleudern und Schußvorrichtungen, die zwischen 2 und ca. 25 kg schwere Steinkugeln bis zu 350m weit schleudern konnten. Dazu kamen weitere leichte Truppen und Hilfstruppen.

Aus dem Lager Novaesium zogen auch um 9 n. Chr. Soldaten unter dem Feldherrn Varus P. Quinctilius in den Feldzug gegen den germanischen Stamm der Cherusker, die sich gegen die römische Herrschaft auflehnten.

In der Folge der als schmählich empfundenen Niederlage und aufgrund der neuen, nun auf Grenzsicherung gerichteten Militärpolitik wurden größere Truppenkontingente am Rhein zusammengezogen. Durch weitere Baumaßnahmen erreichte dieses Lager später eine Fläche von ca. 80 Hektar. Bis zu vier Legionen waren in den folgenden Jahren im Lager Novaesium.

Im Sommer des Jahres 14 kam es nach dem Bericht des römischen Geschichtsschreibers Tacitus bei den Legionen aus Xanten und Neuss zu einer Meuterei wegen ausbleibender Soldzahlungen, einer schlechten Versorgungslage und zu harten Arbeitsbedingungen. Ob der Ort des Geschehens direkt das Lager Novaesium war, ist nicht eindeutig belegt. In jedem Fall kamen aber nach diesem Vorfall neue Truppen in das Lager.

In der Folge der Thronwirren des Jahres 69 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen das Lager Novaesium offensichtlich völlig zerstört wurde. Die dort stationierte XVI. Legion wurde danach von Kaiser Vespasian wegen Feigheit aufgelöst und durch eine aus Spanien herangeführte Legion ersetzt, die das Lager neu aufbaute. Die Regelstärke des Lagers lag danach überwiegend bei etwa einer Legion. Um das Jahr 100 wurden diese Soldaten nach Großbritannien verlegt.

Danach waren in Neuss überwiegend nur noch Hilfstruppen oder kleinere Einheiten stationiert, da sich die Situation in der Grenzprovinz Niedergemanien für eine längere Zeit beruhigte. Das Lager Novaesium wurde erheblich verkleinert. Unter Konstantin den Gr.(307-337 n.) wurde das Lager Neuss teilweise wiederhergerichtet und unter Julian Apostata (in der Kaiserzeit von Konstantin II. erst Thronfolger und Nebenkaiser, dann 361 dessen Nachfolger) im Jahre 359 teilweise erneuert.

Zum letzten Mal wurde das Lager im Jahre 378 erwähnt, nachdem bei einem Feldzug über den Rhein die in Novaesium stationierten Truppen besiegt und fast völlig vernichtet wurden. Das Lager scheint danach nicht wieder genutzt worden sein.


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