Die Geschichte unserer Stadt

Französische Revolution 1789

1794 - 1815 Das revolutionäre Frankreich erobert Rheinland und Westfalen.

Die Französische Revolution 1789 war das Ereignis, das die politische Landschaft in dieser Epoche, auch über Frankreichs Grenzen hinausgehend, nachhaltig beeinflusste.

Zwar ist es in Deutschland nicht zu einer revolutionären Umwälzung gekommen, doch durch die Kriege mit dem revolutionären Frankreich und seinem Feldherren Napoleon Bonaparte, der sich zeitweise Herr über halb Europa nennen konnte, wurde auch die Struktur der deutschen Großmächte Preußen und Österreich durchgeschüttelt.

Sie waren in den plötzlich veralteten aufgeklärt-absolutistischen Strukturen gefangen und hatten wie auch die ständisch-feudal organisierten anderen deutschen Länder dem liberalen Frankreich mit seinen überaus motivierten Soldaten nichts entgegenzusetzen.

So errang Napoleon Sieg um Sieg und konnte seinen Gegnern schließlich den Frieden diktieren.

Für die deutschen Länder bedeutete dies nicht nur die Abtrennung von Gebieten, sondern auch eine territoriale Umstrukturierung, die man als Flurbereinigung bezeichnen kann.

Der "Flickenteppich" der deutschen Länder wurde beseitigt und die Staaten zum Rheinbund zusammengeschlossen, der nun neben Preußen und Österreich eine dritte deutsche Macht bildete.

Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation durch die Abdankung des österreichischen Kaisers 1806, die von Napoleon forciert worden war, war für alle sichtbar als Ende einer langen Entwicklung ein Stück Mittelalter zu Ende gegangen.

Die Entwicklung ganz Europas wurde also in dieser Zeit von Frankreich dominiert. Dies galt im besonderen Maße für das Rheinland und - etwas schwächer auch - für Westfalen.

Die linksrheinischen Gebiete wurden 1794 durch das revolutionäre Frankreich erobert und 1801 von Napoleon annektiert. Systematisch wurden sie an die rechtlichen, administrativen und politischen Gegebenheiten Frankreichs angeglichen. 1802 wurde die französische Verfassung eingeführt.

Unter dem Einfluss Napoleons wurde nicht nur die bisherige territoriale und politische Ordnung umgeworfen, auch gesellschaftliche Reformen gingen mit der französischen Besatzung einher.

Die rechtsrheinischen Gebiete waren weniger lang und intensiv unter dem französischen Einfluss: das Großherzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf wurde von Napoleon 1806 gegründet, das Königreich Westfalen wurde eigens für den jüngeren Bruder des Kaisers, Jerome Bonaparte, als Modellstaat geschaffen und wurde von ihm 1807-1813 regiert.

Die rechtsrheinischen Gebiete gehörten also nie zum französischen Staat, sondern bewahrten sich als Satelliten eine größere Eigenständigkeit. So waren den Preußen dann auch nach der Einverleibung des Rheinlands und Westfalens 1815 die Rheinländer aufgrund ihrer frankophilien Ader verdächtiger als die Westfalen.

Rheinland und Westfalen kamen nach den Befreiungskriegen, in denen Napoleon von einer europäischen Allianz geschlagen wurde, als rheinische Provinzen zu Preußen.

Die Zeit des französischen Einflusses war vorbei, hatte aber tiefgreifende Veränderungen hinterlassen, die besonders auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts und der Verwaltung als Veränderung zum Besseren begriffen worden waren. Die Bevölkerung wehrte sich deshalb auch dagegen, diese Errungenschaften der preußischen Staatsangehörigkeit zu opfern.

So blieb der Code Civil, auch Code Napoleon, als erste bürgerliche Gesetzessammlung links des Rheins bis zur Ablösung durch das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft. Auch Preußen selbst war gezwungen gewesen, sich das überlegene französische Staatswesen zum Vorbild zu nehmen und Reformen durchzuführen.

Diese Neuerungen bereiteten den Verfassungsstaat des 19. Jahrhunderts vor.


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