Neuss-Reuschenberg 1936-1982

Neuss - Reuschenberg 1936- 1982

Die Siedlung Neuss- Reuschenberg entstand im Jahre 1935 mit der Siedlung “am Schlagbaum”, die Wurzeln des Namens haben jedoch eine weitreichende Tradition.

Der Name für die Siedlung entstammt einer gewissen Familie Reuschenberg. So ist überliefert, dass Johann von Reuschenberg Elisabeth Vell von Wevelkoven heiratete und so der Frau für den Fall des Witwenstandes Haus und Hof Reuschenberg versprochen wurden.

Die Geschichte der Familie Reuschenberg ist weitgehend unerforscht, jedoch findet sich die Bezeichnung Reuschenberg in vielen Straßenkarten wieder.

So ist zur Zeit der französischen Fremdherrschaft am Rhein in einer Straßenkarte der Ort “Ruchtenberg” nähe Gnadental ausfindig zu machen. Eindeutig war dies ein ehemaliger Besitz der Reuschenbergs. Immer wieder findet man die Bezeichnung “Reuschenberg” in Verbindung mit dem Stadtteil Selikum wieder. Es war ein Rittersitz Selikums.

Es verwundert also nicht nach dieser langen Tradition, dass der Neusser Oberbürgermeister Gelberg im Rahmen der Planung einer “Gartenvorstadt” an der Bergheimer Straße in der Ratsherrensitzung vom 7. Januar 1936 verkündete, dass er die Siedlung “Gartenvorstadt” am Reuschenberg nennen wollte.

Die Gründung Reuschenbergs beginnt mit dem Bau der Siedlung “am Schlagbaum“. Gebaut wurde die Siedlung um die Wohnungsnot in Neuss zu beheben, ein Problem, das sich in ganz Deutschland ausbreitete. Im Jahre 1935 wurde beschlossen, die Siedlung “am Schlagbaum” mit dem Kern der Stadt Neuss zu verbinden.

Die Wohnungsnot in Neuss war trotz dieser Siedlung noch nicht behoben und so war es geplant, diese zu erweitern. Der erste Plan für die Erweiterung der Siedlung Reuschenberg stammt aus dem Jahre 1936. Es ist die Rede von einer “Gartenvorstadt”.

Am 7. Januar 1936 erläuterte Oberbürgermeister Gelberg die Planung der Gartenvorstadt. Die Siedlung sollte in der Nähe der Bergheimer Straße gebaut werden. Die Eigenheime in der Siedlung waren zuerst für Stammarbeiter und Angestellte der Neusser Industrie gedacht.

Am 13. März 1936 erfolgte der erste Spatenstich durch Gelberg auf der Josef Hilmerich Straße. Hier beginnt auch das wachsende Interesse der Nationalsozialisten an der neuen Siedlung. Die Stelle des ersten Spatenstichs war mit zwei Hakenkreuzfahnen versehen und auch Vertreter der NSDAP erschienen an diesem wichtigen Datum.

Mehr und mehr wuchs ein anderes Bild der Gartenvorstadt. Den Vertretern der Stadt und der NSDAP ging es bei dem Schaffen der Gartenvorstadt um Verwirklichung eines Teiles des nationalsozialistischen Wohnprogramms. Es diente einem Propagandazweck. Im September wurde in bewusster Anlehnung an das germanische Brauchtum, das die NSDAP förderte, an die Schaffung eines “Thingplatzes”

Am 15. Dezember 1936 versammelte der Oberbürgermeister die Bewohner des ersten Bauabschnittes und auch die künftigen Reuschenberger Siedler. Wieder sind die NSDAP und auch die Behörden präsent. Baurat Steigerwald teilte mit, dass das Reichsarbeitsministerium die Gartenvorstadt Reuschenberg als ein Musterbeispiel einer deutschen Siedlung bezeichnet habe.

Sinn und Zweck der Randsiedlung war die “Rückkehr zur Scholle”, das heißt, eine “Rücksiedlung zum Lande” wurde geplant.

Die Bautätigkeit des Jahres 1937 stand unter dem Ziel einen gesunden Wohnplatz für Neusser Stammarbeiter zu schaffen und seine Lebensverhältnisse zu verbessern. Die NSDAP versuchte mit Hilfe der Propaganda auch die Arbeiter in ihre Gunst zu stellen, da diese eher links orientiert waren.

1937 stand auch der Bau der Musterhäuser im Vordergrund. Vier Musterhäuser wurden fertig gestellt. Die Musterhausaustellung folgte am 21. März 1937.

Die Musterhausaustellung war in ganz Neuss vom großen Interesse.

Die Rheinische Landeszeitung schrieb hierzu, “die Musterhaus- Ausstellung ist nicht nur für die Volksgenossen sehenswert, die jetzt siedeln wollen, sondern für alle, die sich für neuzeitliches Wohnen nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten interessieren.”

Hand in Hand mit der Musterausstellung ging ein Werbefeldzug durch Neuss. Hier kamen die politischen Inhalte der NSDAP stark zum Ausdruck. So äußerte sich der Schulungsbeauftragte des Gauheimstättenamtes der Deutschen Arbeitsfront in einer sog. Aufklärungsversammlungen, dass jeder Deutsche ein eigenes Haus und eigenes Stück Land besitzen sollte, jedoch sei nicht jeder geeignet zum siedeln.

“Ein Siedler muss ein wertvoller Volksgenosse sein, der mit ganzem Herzen hinter dem Führer und seiner Weltanschauung steht” Gesundes Wohnen im Siedlerhaus bedeutete eine gesunde Familie, ein Ideal der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Die deutschen Arbeiter könnten als Siedler durch Ertrag des eigenen Bodens und der Kleinviehhaltung leichter leben. Sie könnten sich selbst ernähren. Hier erkennt man auch das Ziel der NSDAP unabhängig von Import anderer Staaten zu sein.

 

Musterhaus

Ein zum Verkauf angebotenes Musterhaus vom Bautyp O - E.


 

Die Sitzung der Ratsherren am 21.1.37 beschloss, dass die ersten vier Straßen nach sog. Alten Kämpfern der NSDAP benannt werden sollten, die vor 1933 „Opfer“ politischer Kämpfe geworden waren (Josef-Hilmerich- Straße, Julius- Hollmann-Straße, Kurt- Schulz- Straße, Fritz-Wetekam – Straße).

Am 7. März 1937 erfolgte der zweite Spatenstich zum zweiten Bauabschnitt der Gartenvorstadt mit 400 Häusern und einer Schule (jetzt St. Elisabeth Schule) durch Erich Börger als Kreisleiter der NSDAP.

Auch hier sieht man den zunehmenden Einfluss der NSDAP, den sie in Neuss gewann.

Im Dezember 1937 wurden wiederum neue Straßen der Siedlung nach alten Kämpfern der NSDAP benannt. Bei diesen Straßen handelte es sich um die Ernst- Bich- Straße, Hans-Hilbert-Straße, Kurt-Hilmer- Straße, Julius-Hofmann-Straße, Jodokus- Kehrer- Straße, Albert-Müller- Straße, der Karl- Paas- Straße und der Heinrich-Stollenwerk-Straße.

Am 31. Mai 1938 wurden weitere Änderungen der Straßennahmen vorgenommen. Die Straßen des neuen Bauabschnitts östlicher der Bergheimer Straße sollten doch nicht nach verdienten Heerführern des 1. Weltkriegs benannt werden, sondern, da der Baubeginn mit der Wiedereingliederung Österreichs zusammenfiel, nach österreichischen Hauptstädten.

In der Ratsherrensitzung vom 28.Juli 1938 wurde auch die Siedlung am Schlagbaum erfasst. Auch hier sollten die Straßen nach alten SA-Mitgliedern benannt werden. Einer der Ratsherren schlug vor, die Straßen der Siedlung nach so genannten “Blutzeugen” zu benennen. Es wurde jedoch beschlossen, Straßen, die zentraler lagen, nach “Blutzeugen” zu benennen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Straßen natürlich alle umbenannt. Heute sind die Straßen der Gartenvorstadtsiedlung nach Blumen benannt.

 

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Biographie hinter den Straßennamen

 

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