Sind Kanalarbeiter Helden?

Nein, Helden nicht, etwas Besonderes aber schon […]“ -Heldeneinschätzung der Kanalarbeiter

Bei unseren Interviews wollten wir unter anderem herausfinden, ob die Kanalarbeiter, die wir kennen lernen durften, sich selbst als Held bezeichnen würden oder nicht. Natürlich mussten sie ihre Aussagen für uns auch begründen. Dabei stellte sich heraus, dass wir es mit sehr bescheidenen Kanalarbeitern zu tun hatten und bei dem Thema ‚Held- ja oder nein‘, ihre Meinungen auseinander gingen.

„Wenn man ein bisschen auf sich selber aufpasst, dann wird man kein Held.“ Dies zum Beispiel ist ein Zitat von Herrn Spindler. Er arbeitete zunächst als Maurer und wechselte dann zur Stadt Neuss und wurde Kanalarbeiter.

Er sieht seine Arbeit als eine ganz normale Tätigkeit an, bei der man sein tägliches Brot verdient. Er findet, dass ein Bäcker ja fast das gleiche wäre, die Arbeit eines Ver- und Entsorgers aber einfach nur unter der Stadt stattfände, und sie ein bisschen schmutziger wäre. „ Es ist einfach eine Arbeit. Ich denke eher, dass ein Arzt ein Held ist “

Auch die bereits pensionierten Arbeiter fanden sich eher weniger heldenhaft. Sie gestanden sich zwar ein, dass ihre Arbeit früher relativ gefährlich war, aber mit dem Titel Held konnten sie sich einfach nicht abfinden. Allerdings schlossen sie sich Herr Spindlers Meinung an, indem sie sagten, dass ihre Tätigkeit für die meisten zwar etwas ungewöhnlich ist, es aber einfach „nur ihr Job“ ist.

Aus den Bemerkungen der Kollegen heraus, dass Kanalarbeit ja schon etwas außergewöhnlicher als andere Jobs ist, da wir, die Bewohner der Stadt Neuss, ohne sie „ganz schön in der Scheiße“ säßen, entstand auch diese Aussage eines immer noch tätigen Kanalarbeiters. „ Ja ich bin schon stolz auf meine Arbeit.“ Das war das Mindeste, was wir hören wollten.

 

Sind die Kanalarbeiter für uns Helden?

Wir sitzen abends bei Herrn Kahlki und überlegen:

 

Sind Kanalarbeiter eigentlich Helden?
Wir wissen, dass die Antwort auf diese Frage einer der zentralen Teile dieser Arbeit ist. Wir sitzen und überlegen.

Anita: „Ich finde nicht, dass Kanalarbeiter Helden sind. Ich finde schon, dass sie eine wichtige Arbeit machen, aber Ärzte und Müllmänner tun diese auch.

 

Privatarchiv M.Kahlki; v.l.n.r.: Klaus Fuchs, Melanie Pastors, Michelle Förmer

Ich denke schon, dass Kanalarbeiter Eigenschaften eines Helden verkörpern. Dennoch finde ich, dass es sich bei Kanalarbeitern nicht wirklich um Helden handelt. Klar, ohne sie hätten wir ein Problem, doch anderseits muss man bedenken, dass wenn die jetzigen Kanalarbeiter nicht wären, würden andere diesen Job ausüben.

Und leben konnten die Menschen im Mittelalter auch. Sie sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft, die sicherlich auch eine gute Arbeit für uns alle tun, aber ist das schon genug um einen Held aus ihnen zu machen? Ärzte und Müllmänner tun auch nur ihren Job, und tun dabei auch genug Gutes für uns.

Ich denke der Begriff Held für einen Kanalarbeiter kommt in diesen Fall ganz auf die Interpretation des Einzelnen an. Denn ich denke, dass sich hierbei die Meinungen spalten werden.

Wenn Kanalarbeiter Helden sind, dann wäre die Welt voller Helden.“

 

Klaus:“ Kanalarbeiter waren früher Helden, heute nicht mehr!“

Nadine: „Ich meine, dass man sie früher auf Grund ihrer gefährlichen Tätigkeit mehr als Helden bezeichnen konnte als heute. Sie haben für mich trotzdem heute noch etwas Heldenhaftes an sich, da sie immer noch eine wertvolle, relativ uneigennützige Arbeit für die Bewohner der Stadt Neuss verrichten.“

Melanie: „Ich bin der Meinung, dass Kanalarbeiter sowohl früher als auch heute Helden sind, da wir ohne sie auf der Scheiße säßen. Wobei ich die Arbeit früher noch als etwas heldenhafter bezeichnen würde, da sie mit mehr Anstrengung und Gefahren zu kämpfen hatten.“



(Bildquelle: Privatarchiv Kahlki. Nadine Bernardy)

 

Michelle: „Ich denke, dass Kanalarbeiter Helden sind, da es für mich nicht darauf ankommt, was für Gefahren sie meistern, sondern darauf, dass sie viel für die Allgemeinheit tun. Außerdem finde ich, dass die Bescheidenheit der Kanalarbeiter, die wir kennen gelernt haben, sie erst recht heldenhaft erscheinen lässt.“

Herr Kahlki: „Ich gehe seit sechs Monaten morgens anders zur Schule. Früher habe ich als Fahrradfahrer, Kanaldeckel verflucht (zwei Rückenoperationen). Heute weiß ich, was sich unter den Kanaldeckeln verbirgt und ich weiß, was passiert, wenn diese Kanäle nicht regelmäßig gesäubert werden.

Ich möchte einen solchen Job nicht machen. Und ich bin sehr froh, dass es Menschen gibt, die diesen Job verrichten. Für mich sind Kanalarbeiter Helden des Alltags im wahrsten Sinne des Wortes.

 

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