Auswertung

Auswertung des Interviews am 10.11.2008

Die kursiv gedruckten Textabschnitte sind wörtliche Zitate aus dem Interview.

Die meisten Leute wussten gar nicht, was ein Kanalarbeiter so macht. Dadurch war das Image natürlich am Boden, da die meisten Leute die Kanalarbeiter immer als Personen sahen, die bis zur Hüfte im Dreck stecken und den Schmutz der Bevölkerung beseitigen.

Die Wertigkeit des Berufs hat sich jedoch stark verbessert. Trotzdem wurden die „Schlipsträger“ (Ärzte, Ingenieure etc.) als höher angesehen, obwohl Sie auch nur ihre Arbeit machen. Es ist natürlich schwer einen Arzt mit einem Kanalarbeiter zu vergleichen, da die Berufe zu verschiedenen Arbeitsbereichen gehören.

“Trotzdem kann man den Arzt nicht als besser ansehen, da er ja auch nur seine Arbeit macht und wenn mal die Kanalarbeiter nicht hätte dann wären wir ganz arme Leute“(Zitat von Herrn Kahlki). „Ich wohne in Norf und da geht man abends schon mal in die Kneipe an der Ecke und trinkt sich ein Bierchen und plötzlich kommt ein Mann, ob ich ihm wohl gesonnen war, weiß ich nicht, auf jeden fall kommt der her und sagt: „Was willst du denn hier du Kanalarbeiter?!“ (Zitat von Herrn …)

Daran kann man noch mal sehen, dass die Kanalarbeiter keinen besonders guten Ruf hatten und heute immer noch nicht haben. Die Leute haben da sicherlich sehr drunter gelitten, dass sie das Image nicht hatten, was man einfach braucht. Der Beruf des Versorgers und Entsorgers verlangt einen sehr hohen Wissensstand, da man da schon vieles können muss.


Doch was hielten die Arbeiter von dem Kanalarbeiterdenkmal an der Alten Post? „Da war ich schon im Ruhestand.“ (Zitat von Herrn…). „Im ersten Moment haben alle darüber geredet, das fanden alle ganz toll, da mal über die Kanalarbeiter geredet wurde und sie mal die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdienen. Als sich das wieder gelegt hat, waren wir wieder ein „Dorn im Auge“ der Bürger.“ (Zitat Herrn …)

Waren sie stolz, dass sie geehrt wurden? „Man war stolz, dass man ein Denkmal gesetzt bekam.“

Früher war die Arbeit viel schwerer als heute, da man heute die nötige Technik hat, weshalb man nur noch selten in den Kanal steigen muss. Jedoch ist diese Helden-Definition eine schwierige Sache, halten sich eigentlich die Kanalarbeiter selbst für Helden? „Früher, die Leute hatten keine Selbstrettung, die man unten im Kanal brauchte.“

„Auf mich bezogen ist die Arbeit was Besonderes, was die Leute draußen sagen ist mir „Latte“ vorher hab ich Maurer gelernt, war für mich auch etwas Besonderes. Hier die Sache an sich ist sehr speziell und wir machen viele unterschiedliche Tätigkeiten. Für mich ist die Arbeit OK. Sie macht mit auch Spaß. Man hat zwar manchmal Höhen und Tiefen das hat man überall auf der Arbeit alles an sich ist es schon etwas Besonderes hier zu arbeiten.“

Ist es denn bei ihnen im Hinterkopf, dass sie sagen ich bin eine Person die zwar im kleinen Kreise mit 25 Handwerkern hier auf dem Bauhof die für insgesamt 830 km Kanalisation, dass sie im Hinterkopf haben, dass sie zu einer sehr kleinen Gruppe der Gesellschaft gehören, die für den Umweltschutz in Neuss zuständig sind?

Hr. Stegemann hat das Thema ‚Umweltschutz’ in die Runde gebracht. „Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes sehr große Umweltschützer, indem wir das Abwasser, welches sonst in irgendein Gewässer fließen würde, vorher reinigen oder dafür sorgen dass es irgendeinem Reinigungsinstitut zugeleitet wird und damit ein direkter Beitrag Umweltschutz vollzogen wird.

Ist das bei ihrer Tätigkeit bewusst? „Bewusst schon aber da macht man schon etwas Besonderes und dann bekommt man keine Anerkennung dafür oder nur Peitschenhiebe für dies und jenes, dadurch kommt auch diese Unzufriedenheit.“Die meisten wissen schon, dass sie hier etwas Besonderes machen.

Also im Jahresabschlussbericht schreiben wir immer den Schlusssatz: Damit haben wir einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz gegeben mit dieser Tätigkeit. Das ist hier auch sehr hoch angesehen. Wenn sie mal den Rhein sehen, der Rhein an sich ist um ca. 1000 % sauberer geworden denn alle Schwermetalle sind jetzt weg und das beginnt natürlich im Kanal. Wir haben die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die ganzen Metalle nicht hinein kommen und wenn dann sie raus zu holen.“

Verstehe ich das richtig, dass man früher sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, wenn man in den Kanal gegangen ist? „Ja, ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist, aber früher hatten wir alle 2 Jahre einen Ingenieur zur Unterweisung der Gefahren. Der sagte ganz lässig: vorheriges Jahr haben wir wieder 3 entsorgt in ganz Deutschland gesehen.“

Ich habe eben raus gehört, dass sie sich mehr Anerkennung wünschen?! „Ich spreche jetzt mal für die Allgemeinheit: es ist schon so. Manchmal ist es schon schwer draußen mit den Menschen umzugehen, die einfach nicht wissen was wir machen.“

Aber wenn ich jetzt mal überlege, was sie gesagt haben, sie wünschen sich mehr Anerkennung und machen etwas sehr wichtiges, das kommt aber ganz nah an die Helden Definition ran. Sie machen etwas wichtiges aber bekommen wenig Anerkennung und Gnade Gott, wenn sie das nicht machen würden, dann wären wir ganz arme Menschen. Also doch eine heldenhafte Arbeit???

„Die Anerkennung ist ein Thema. So gesagt stimmt das schon. Aber wenn du auf der Straße stehst und den Verkehr sichern willst, was da manchmal los ist, dann hat man auch keine Lust mehr. Heutzutage bist du ein Hindernis. Keiner hat mehr Zeit. […].

Was würden sie sich wünschen?

„Wenn ich im Fernsehen sehe, da kommen öfter so Kanalarbeiter Reportagen, die spielen öfter in München wegen dem Großraumprofil. Man sieht diese dreckigen Arbeiten, die man heute in einem Unternehmen zu vermeiden versucht. Dadurch, dass da aber was Besonderes gezeigt werden soll, weil eine Kamera dabei ist.

Dann sieht man wie der Kanalarbeiter bis oben hin im Kanal ist und dann schwimmt noch etwas vorbei, das macht den großen Teil der Arbeit aber nicht aus. Im Fernsehen wird nicht das realistische Bild der Arbeit eines Kanalarbeiters dargestellt, weil das zu unspektakulär ist. Andere Berufe werden anders dargestellt und deswegen hat sich dieses Image gebildet.“

„Wenn man da etwas offener und ehrlicher wäre und zeigen würde, wäre das Image der Kanalarbeiter besser, das lässt sich aber nicht so gut verkaufen und deswegen wird es nicht so verkauft. Ich habe auch versucht die NGZ zu bitten dabei zu sein, die haben gesagt, wenn etwas Spektakuläres passieren würde wären sie dabei aber so nicht. Das ist genau das was ich meine ein VW - Mechaniker der den ganzen tag nur Lichtmaschinen wechselt wo man 3 schrauben zu wechseln hat, bekommt mehr Anerkennung obwohl die Arbeit ziemlich vereinfacht wurde.

Bei uns war früher Handarbeit, wie sie heute gezeigt wird, ein Hauptteil der Arbeit. Aber die wirkliche Arbeit ist die Bedienung großer Maschinen, die Computer-Unterstützte sind, die viele mechanische Teile haben, wo man auch mal gucken muss welches Teil kaputt ist und entscheiden, ob man in die Werkstatt fahren muss. Wir haben auch handwerklich andere Arbeiten. Dieser technische Anteil ist stark im Gegensatz zu früher gestiegen, das ist das was unseren Beruf schlechter darstellt als er wirklich ist. Andere Berufe werden besser dargestellt als sie wirklich sind.“

„Früher war ich im Hochbau da hat man gesehen was man gemacht hat, aber wenn ich jetzt arbeite und fertig bin mach ich den Deckel zu und niemand sieht was wir getan haben, dann heißt: „die stehen ja nur rum!“ Dann sieht keiner mehr was wir gemacht haben „aus dem Auge aus dem Sinn“. Die Leute wissen es nicht und zeigen kein Interesse.“

 

PDF-Dateien zum Donloaden

Interview mit Herrn Dr. Hüsch am 12.01.2009 in seiner Anwaltskanzlei. Download [434 KB]

Auswertung der Publikumsberfragung am Nikolausmarkt. Download [12 KB]

Interview mit Pensionären am 01.12.2008. Download [36 KB]

Auswertung des Interviews mit bereits pensionierten Kanalarbeitern. Download [14 KB]

 

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