Johanna Etienne Krankenhaus

Tag der offenen Türe

Tag der offenen Türe im Johanna Etienne Krankenhaus am 26.10.2008

Als wir am Tag der offenen Tür im Johanna Etienne Krankenhaus waren, haben wir sehr viele Interviews geführt und sind überraschendem Ergebnis gekommen.

 


(Unser Tutor, Michael Kahlki, während der Interviews.)
Quelle:Privatarchiv Kahlki, Neuss

 

Obwohl wir mit etwas fünfzig Personen gesprochen haben, konnten uns nur sehr wenige etwas über den Neusser Augustinerinnenorden erzählen. Viele wussten noch nicht einmal, dass es sie überhaupt gibt oder was sie tun. „Hier laufen so Ordensschwestern rum, die müsst ihr am besten fragen! „ „Augustinerinnen? Hm ne,.. die arbeiten hier im Krankenhaus, oder?

Wir fanden dieses Ergebnis sehr traurig. Bei so viel Gutem das von den Nonnen getan wird, müssten die Neusser mehr darüber wissen. Zum Glück, konnten wir nach langem Suchen doch noch Leute finden, an denen die Geschichte der Frauen nicht vorbeigegangen ist, einige konnten uns sogar sehr detailliert von dem Orden erzählen.

Von ihnen hörte man dann Aussagen wie: „Alles was die Schwestern hier machen und natürlich auch das Krankenhaus find ich klasse! „ Auch Schwestern von anderen Orden haben keine Sekunde gezögert, als wir fragten, ob sie die Augustinerinnen als Helden bezeichnen würden und berichteten uns davon, wie sehr sie die Augustinerinnen bewundern.

Ob in der Krankenpflege oder dem Zwischenmenschlichen, auszusetzen hatte niemand was an „unseren“ Schwestern.

 

„Ich komme krank und gehe gesund!„ so die Schwester des Herz-Jesu Ordens. Glücklicherweise gab es dann aber auch noch Mitarbeiter des Krankenhaus, die mit einem freundlich klar, ich arbeite hier doch!„ auf unsere Frage antworten, als wir sie ansprachen.

 

Die Interviewten konnten uns etwas über den Berufsweg erzählen und sagten uns, dass die Schwestern hier im Krankenhaus eine Art Vorbild für die Mitarbeiter sind.

Es ist sehr traurig, dass die Leistungen der Schwestern selbst von den Mitarbeitern nicht mehr bemerkt werden, obwohl sie früher ihr Vorbild waren, und in Vergessenheit geraten sind.


Die folgenden Zitate stammen aus den geführten Interviews

 

Am 21. Januar 2009 waren wir im Hospiz der Neusser Augustinerinnen. Wir haben ein Interview mit Schwester Maria Goretti, der Leiterin, geführt.

Das vollständige Interview befindet sich auf dem Recorder von Carina Marquardt, bei dem eine Erstellung einer CD-Rom nicht möglich ist. Wir gehen davon aus, dass jeder Leser verstehen wird, warum wir an diesem Tag keine Fotos gemacht haben.

Trotz der guten Krankenpflege der Augustinerinnen und auch Ehrenamtlichen, gibt es immer wieder hoffnungslose Fälle, bei denen keiner mehr helfen kann. Ob durch Krebs oder andere meist unheilbare Krankheiten, ist der Tod der Patienten nicht mehr abzuwenden.

Trotzdem geben die Schwestern sie nicht einfach auf, sondern gestalten ihnen die Zeit, die sie noch haben, so schön wie möglich. Deswegen wurde 1995 von den Schwestern auf der Augustinusstr. 48 ein Sterbehospiz erbaut, das sie bis vor ein paar Jahren ganz alleine führten. Mittlerweile hilft die Stadt den Schwestern es aufrecht zu erhalten.

Das Hospiz unter der Leitung von Schwester Maria Goretti hat acht Zimmer, die fast immer alle belegt sind. Jedes Zimmer verfügt über ein Bett, einen Fernseher, ein großes Fenster, um sie nicht ganz vom Leben zu isolieren, und ein Badezimmer mit Dusche und Toilette. Für jeden Patienten wird versucht, das Zimmer nach seinen Bedürfnissen einzurichten und persönlich zu gestalten.

Die Nonnen kennen ihre Patienten und ihre Vorlieben, ob es sich dabei um Tiere, Schifffahrt oder Ähnliches handelt, und versuchen ihre Leidenschaft mit in das Zimmer einzubringen. Sie versuchen nicht den Leidensweg der Patienten zu verlängern, indem sie sie vergeblich wieder aufzupäppeln versuchen, sondern bereiten sie auf den Tod vor, nehmen ihnen die Schmerzen und sind für sie da.

Hierbei spielt es keine Rolle ob die Patienten aus Deutschland kommen oder eingewandert sind, ob sie katholisch oder anderer Glaubensüberzeugung sind.

Selbst Obdachlose, ohne Krankenversicherung oder Angehörige, werden aufgenommen und auf eigene Kosten des Ordens versorgt. Glücklicherweise ist nur in seltenen Fällen sogar für Kinder der Weg ins Sterbehospiz der Letzte.

Wenn Angehörige die Patienten auf ihrem Weg begleiten, werden sie seelisch stark von den Nonnen unterstützt und dürfen so lange bei ihren Liebsten bleiben, wie sie möchten. Es gibt keine Öffnungszeiten, an die sie sich zu halten haben, oder Verhaltensregeln, die einzuhalten sind. Sie können das Hospiz sogar selbstständig mit verschönern.

In den Fluren hängen unzählige selbstgemalte Bilder der Patienten und der Angehörigen, die das Krankenhausgefühl fast komplett nehmen können. Auch nach dem Tod der Menschen werden die Sachen nicht einfach weggeworfen, sondern schmücken jahrelang den Aufenthaltsraum der Schwestern und niemand wird vergessen.

Bei unserem Termin mit Maria Goretti haben wir dies alles hautnah mitbekommen. Schon die Führung durch das Hospiz war für uns alle sehr bewegend. Wir durften nicht nur die schöne Kapelle des Hospiz, den großen Aufenthaltsraum und den hauseigenen Arzt besuchen, sondern wurden auch zu den Patienten geführt.

Diese haben sich über unseren Besuch sehr gefreut und waren begeistert von unserem Interesse. Obwohl der Tod das Hauptthema dieser Einrichtung ist, herrscht dort nicht nur Trauer, sondern auch Vertrautheit und Zuversicht. Wie nah die Schwestern den Patienten sind, spürten wir vor allem, als Schwester Maria Goretti uns ein Fotoalbum zeigte, in dem jeder Patient den sie begleitet hat vorkam.

Sie erzählte uns sehr gefühlvoll von ihren Erlebnissen mit ihnen. Diese haben uns sehr ergriffen und uns mehr als einmal den Tränen nahe gebracht.

Für uns war es schwer zu begreifen, wie man es als Mensch dort so lange emotional aushalten kann, und wie man damit klarkommt, so oft neu liebgewonnene Menschen zu verlieren. Sie konnte uns dies besser erklären als wir es für möglich gehalten hätten.

Diese Frauen schöpfen aus kleinen aber schönen Momenten viel Kraft und neuen Glauben und sind der Überzeugung, dass der Tod für diese Menschen nicht das Ende ist.

So erzählte sie uns von besonderen Fällen, in denen man schon fast nicht mehr an den Zufall glauben kann.

Wenn an einem sonst tristen Tag, in dem Moment des Todes eines Patienten, plötzlich ein heller Sonnenstrahl genau in das Zimmer dieses Menschen fällt, und dieser mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck das Leben verlassen kann, oder ein Patient nach wochenlangem Leiden in dem Moment geht, als ein neues Familienmitglied geboren wird, kann man die Grausamkeit des Todes schnell vergessen und den Patienten mit einem guten Gefühl verabschieden.

Auch die Dankbarkeit die die Schwestern von den Pateinten empfangen, selbst wenn diese schon nicht mehr reden können, ist faszinierend. Man kann spüren wie viel es den Patienten bedeutet, dass die Schwestern für sie da sind, ihnen Vorlesen und sie verstehen.

Viele der Sterbenden haben sich selbst schon gar nicht mehr unter Kontrolle und fangen unabsichtlich an zu schreien.

Dies kann ihnen aber keiner übel nehmen, da sie alle mit großem Verständnis behandeln. Es ist schwer nachzuvollziehen, wie viel Kraft ein Mensch für diese Arbeit braucht, und wie er diese immer wieder aus seinem Glauben ziehen kann.

Nachdem Schwester Maria Goretti sich mehr als zwei Stunden für uns Zeit genommen hat und es selbst sehr genossen hat, uns all die Geschichten zu erzählen, haben wir sehr aufgewühlt aber voller Bewunderung und mit einem guten Gefühl das Hospiz verlassen.

Das Hospiz wird finanziell von einem Förderverein unterstützt. Natürlich werden auch Spenden von der Allgemeinheit gerne gesehen und mit herzlichstem Dank angenommen.

 

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